Hafenmeister René de Vries: „Secure Chain stärkt die Widerstandsfähigkeit des Hafens“

„Unterwanderung ist ein vielköpfiges Ungeheuer. Einer der Köpfe dieses Ungeheuers konnte durch die Secure Chain entfernt werden.“ Als (staatlicher) Hafenmeister von Rotterdam stellt René de Vries fest, dass dank der neuen sicheren und zuverlässigen Methode zur Freigabe von Containern der PIN-Code-Betrug gestoppt wurde. „Die Secure Chain trägt dazu bei, den Hafen widerstandsfähiger zu machen.“

Vor einigen Jahren war die Zahl der Meldungen über PIN-Code-Betrug im Hafen hoch, erinnert sich De Vries. „Das ‚P‘ in PIN-Code steht für ‚persönlich‘, aber daran war nichts Persönliches mehr. Der Code wurde in großem Umfang verbreitet. ‚Jeder‘, der wollte, konnte darüber verfügen. Die Einführung der Secure Chain hat dem nun ein Ende gesetzt. Mit validierten Daten und dem Wissen, mit wem man Informationen teilt, wurde Vertrauen in die Kette gebracht.“

Einbindung des Shortsea-Sektors nächster Schritt

Nachdem die Einführung der Secure Chain für den eingehenden Deepsea-Verkehr nun fast abgeschlossen ist, sieht De Vries den Shortsea-Sektor als logischen nächsten Schritt. Kürzlich hat er bei einem Treffen für Unternehmen im Waal-/Eemhaven zusammen mit den Zollbehörden und der Seehafenpolizei die Bedeutung einer Teilnahme betont.

„Unternehmen im Shortsea-Sektor erkennen, dass Handlungsbedarf besteht“

„Mein Eindruck ist, dass Unternehmen im Shortsea-Sektor diesem Thema heute viel positiver gegenüberstehen als noch vor einigen Jahren. Man erkennt, dass Handlungsbedarf besteht. Ein Container aus Südamerika kann zunächst nach Le Havre und dann nach Rotterdam transportiert werden. Damit wird die Herkunft zwar offiziell ‚europäisch‘, aber letztendlich bleibt es einfach ein Risikocontainer aus Südamerika.“

Hafensicherheitsgesetz als Grundlage

De Vries nimmt häufig an derartigen Treffen mit Vertretern der Wirtschaft teil. Seine Beteiligung an der Secure Chain ist ansonsten vor allem indirekter Natur. Die Hafenbehörde Rotterdam bildet zusammen mit der Seehafenpolizei, dem Zoll, der Gemeinde Rotterdam, der Steuerbehörde, der FIOD und Deltalinqs die Port Alliance Rotterdam. Mit Geldern des Staates werden von hier aus verschiedene Initiativen gegen Unterwanderung im Hafen entwickelt. Die Secure Chain ist eine davon.   

„Außerdem wurde ich vom Bürgermeister zum Port Security Officer ernannt. In dieser Funktion bin ich für die Einhaltung des Hafensicherheitsgesetzes verantwortlich. Dabei handelt es sich um die nationale Umsetzung des internationalen ISPS-Codes (International Ship and Port Facility Security Code). Dieser wurde nach den Anschlägen in den USA am 11. September 2001 ins Leben gerufen. Anhand des Hafensicherheitsgesetzes prüfen wir, ob die rund 190 Terminals in Rotterdam und den umliegenden Gemeinden, die Seeschiffe empfangen, angemessene Sicherheitsmaßnahmen gemäß dem ISPS-Code getroffen haben.“ Auch die Secure Chain fällt in diesen Rahmen. „Jemand, der illegal versucht, einen Container an einem Terminal abzuholen, verstößt gegen das Hafensicherheitsgesetz.“

Enge Zusammenarbeit

Der Bereich Hafenmeister der Hafenbehörde Rotterdam arbeitet auf vielen Ebenen mit der Seehafenpolizei und dem Zoll zusammen. Von der Durchsetzung des ISPS-Codes bis zur Überwachung der Freizeitschifffahrt, wie De Vries es nennt. Ein Beispiel für die gute Zusammenarbeit ist der maritime virtuelle Zaun, ein intelligentes Kamerasystem auf der Maasvlakte. „Insgesamt handelt es sich um etwa 300 Kameras, die sowohl an Land als auch auf dem Wasser installiert sind. Wir als Seehafenpolizei, Zoll und Hafenbehörde können sie alle von unseren jeweiligen Standorten aus bedienen.“ Die Kameras helfen unter anderem dabei, mithilfe intelligenter Software kleine Boote am Abend und in der Nacht ausfindig zu machen. „Wir versuchen, Kriminellen das Leben immer schwerer zu machen.“

Über Häfen und Grenzen hinweg

Die Zusammenarbeit im Bereich Sicherheit ist vielfältig. „Seit etwa fünf Jahren beraten wir uns regelmäßig mit den anderen großen Containerhäfen in Nordwesteuropa, Antwerpen und Hamburg. Der ISPS-Code ist recht abstrakt und spricht beispielsweise von angemessenen Sicherheitsmaßnahmen. Aber was bedeutet das konkret? Ausgehend vom Gedanken eines ‚level playing field‘ haben wir als drei Häfen gemeinsam eine Broschüre darüber herausgegeben, wie wir Sicherheitsmaßnahmen betrachten. Zum Beispiel in Bezug auf die Anforderungen an die Umzäunung eines Terminals.“

‚Seien Sie wachsam gegenüber allen Formen der Unterwanderung. Beteiligen Sie sich auch an allen Initiativen in diesem Bereich, wie beispielsweise der Secure Chain‘

Im Rahmen des in Rotterdam ins Leben gerufenen und mittlerweile landesweit eingeführten FERM arbeiten alle niederländischen Häfen gemeinsam an der Cyber-Resilienz. De Vries: „In Rotterdam führen wir in diesem Zusammenhang jedes Jahr eine Übung mit Unternehmen durch. In dieser CyberNautics-Übung simulieren wir anhand verschiedener Szenarien Hackerangriffe von Cyberkriminellen. Und wie wird damit umgegangen? Für alle Teilnehmer dieser Übung ist es jedes Mal ein Aha-Erlebnis, das sie dazu veranlasst, innerhalb ihrer eigenen Organisation entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.“

Seien Sie wachsam!

„Ich appelliere an die Unternehmen im Hafen, stets wachsam zu sein“, schließt De Vries. ‚Seien Sie wachsam gegenüber allen Formen der Unterwanderung. Prüfen Sie Ihr Personal, prüfen Sie Ihre Verfahren, prüfen Sie Ihre Systeme. Beteiligen Sie sich auch an allen Initiativen in diesem Bereich, wie beispielsweise der Secure Chain. Die Welt ist momentan kein sicherer Ort. Und in nächster Zeit wird sich daran voraussichtlich nichts ändern.“ 

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